Was sind Anleihen?


Anleihen sind ein klassisches Mittel um Fremdkapital zu beschaffen. Häufig trifft man in der Fachpresse auch auf die englische Bezeichnung Bonds oder den Begriff Renten. Unternehmen oder Staaten geben Anleihen heraus, um mittel- langfristige für neues Kaptial zu sorgen. Dieses dient entweder für künftige Investitionen oder zum Abbau von Schulden. Für die Überlassung des Kapitals gibt es einen Anspruch auf Rückzahlung sowie einen festgelegten Zins. Im Gegensatz zu Aktionären werden Käufer von Anleihen keine Miteigentümer sondern Gläubiger. Der Emittent auf der Gegenseite ist der Schuldner. Grundsätzlich werden Anleihen öffentlich gehandelt, so dass jeder diese vom Emittenten kaufen kann. Mit Auflegung werden die Laufzeit, Währung, Art der Verzinsung und der Zinssatz definiert. Anleihen eignen im Prinzip für jeden Anlegertyp. Die Bandbreite von Sicherheit bis eher spekulative Anlage wird mit Anleihen abgedeckt.


Anleihen

Der Nennwert einer Anleihe

Der Nennwert einer Anleihe ist der Betrag, der in der Regel zurückgezahlt werden muss und der auf dem Bogen der Urkunde steht. Daneben gibt es einen Kurswert, der prozentual zum Nennwert ausgedrückt wird. Kurse von Anleihen schwanken während der Laufzeit, so dass sich der Kurswert täglich ändert. Ein Kurs von 100 Prozent entspricht dem Nennwert. Zwei Faktoren beeinflussen den Kurswert besonders: zum einen der aktuelle Marktzins und zum zweiten Veränderungen hinsichtlich der Bonität. Grundsätzlich steigt der Kurs von Anleihen bei fallenden Zinsen. Eine Anleihe mit einem höheren Zins als aktuell am Markt zu bekommen wäre ist wertvoll. Steigende Zinsen dagegen bedeuten niedrigere Kurse. Wenn Staaten oder Unternehmen neue Anleihen mit höheren Zinsen herausgeben, dann wird das "alte" Papier unattraktiver. Wer die Anleihe von Anfang bis Ende hält, den berühren diese Kursveränderungen nicht. Die Laufzeiten einer Anleihe reichen von einigen Monaten bis hin zu 30 Jahren oder mehr.

Je nach Art der Verzinsung gibt es verschiedene Anleihen am Markt. Man kann nach festverzinslichen Wertpapieren, Floatern und strukturierten Wertpapieren unterscheiden. Alle Arten können über Banken oder Brokerhäuser an der Börse am Rentenmarkt gehandelt werden. Anleihen können entweder einzeln oder als Anteil an einem Investmentfonds gekauft werden. Letzteres bietet den Vorteil einer breiten Streuung. Allerdings sind die Kosten beim Kauf eines Investmentfonds tendenziell höher. Neben privaten Anlegern kaufen vor allem institionelle Anleger wie Versicherer oder Pensionskassen Anleihen, da sie als sichere Anlageklasse gelten.




Staatsanleihen und Unternehmensanleihen

Die beiden Typen stellen die wichtigsten Anleiheformen dar. Beim Kauf von Unternehmensanleihen wird das Kapital einem Unternehmen geliehen, bei einer Staatsanleihe einem Land. In beiden Bereichen gibt es sehr sichere Anleihen als auch spekulative mit entsprechend hohem Ausfallrisiko. Eine starke Bonität bedeutet in der Regel niedrige Zinsen, während schwächere Unternehmen oder Staaten mit höheren Zinsen Anleger locken müssen. So gelten Anleihen der Bundesrepublik Deutschland als sehr sicher, bieten im aktuellen Zinsumfeld aber nur magere Renditen. Anleihen aus Schwellenländern werden deutlich höher verzinst. Ebenso verhält es sich bei Unternehmensanleihen. Unternehmen, die in Schwellenländern beheimatet sind, zahlen mehr Zinsen als Unternehmen aus starken Industrienationen. Anleihen unterliegen keine Einlagensicherung. Chancenorientierte Anleger finden mit Blick auf die Rendite eine große Auswahl an verschiedenen Papieren am Markt. Werden Anleihen in anderen Währungen als dem Euro gekauft, entsteht noch ein Währungsrisiko.

Die Bonität des Schuldners

Ein wichtiges Auswahlkriterium für Anleger bei der Auswahl einer passenden Anleihe ist die Bonität. Wesentliche Hinweise auf die Bonität eines Schuldners, egal ob Staat oder Unternehmen, geben Ratingagenturen. Diese bewerten mit ihren Analysten die Kreditwürdigkeit und passen ihr Urteil situativ an. Das beste Rating ist "AAA" und das schlechteste ein "D". Dazwischen gibt es mehrere Abstufungen. Anleihen mit einem Rating von "BB" oder schlechter werden auch als sogenannte "Junk Bonds" bezeichnet. Das heißt konkret, es besteht ein hohes Ausfallrisiko oder Zahlungsverzug. Diese Ereignisse können bei einer Insolvenz des Schuldners zum Beispiel eintreten. Dann wird der Inhaber der Anleihen in der Regel wie andere Gläubiger behandelt und muss mit hohen Verlusten rechnen.

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Ratingfirmen

Zu den weltweit bekanntesten Ratingfirmen gehören S&P, Moody´s und Fitch. Sie sammeln alle öffentlichen Daten und Informationen rund um das Ratingobjekt. Zudem kontaktieren sie den Schuldner, um weitere Informationen zu erhalten. Alle Daten werden intern erfaßt und ausgwertet. Die genauen Details des Prüfungsprozesses geben die Ratingunternehmen nur ungern preis. Ihre Ratings sind vor allem für institutionelle Anleger enorm wichtig. Meistens haben diese klare Vorgaben, bis zu welcher Ratingklasse gekauft werden dürfen. Dabei orientieren sie sich an den Ergebnissen der führenden Agenturen.

Festverzinsliche Wertpapiere

Als festverzinsliche Wertpapiere werden Anleihen bezeichnet, deren Verzinsung zu einem fest gelegten Satz und Stichtag erfolgt. Die Rückzahlung erfolgt zu einem vorher fix vereinbarten Zeitpunkt.

Eine besondere Unterform des festverzinslichen Wertpapieres ist die Wandelanleihe. Sie ist mit einem festen Zins ausgestattet. Zusätzlich bietet sie dem Anleger die Option die Anleihe innerhalb einer festgelegten Frist in Aktien einzutauschen. Auch das Verhältnis beim Umtausch wird in den Emissionsbedingungen definiert. Der Investor kann die Option ziehen oder aber er läßt sich am Ende der Laufzeit sein Kapital rückzahlen.

Floater

Im Unterschied zu festverzinslichen Anleihen ist der Zins bei Floatern variabel. Der Zinssatz wird in regelmässigen Zeitabständen angepaßt. Als Referenzwert dient dabei ein Zinssatz wie der Euribor. Der Anleger erhält stets einen Zins, der dem aktuellen Marktumfeld entspricht. Je nach Bonität des Schuldners gibt es noch einen Aufschlag auf den Referenzwert.

Strukturierte Anleihen

Unter strukturierten Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere zu verstehen, welche weitere Zusatzbedingungen enthalten. Durch diese Zusatzbedingungen steigen einereits die Chance auf eine attraktive Rendite, auf der anderen Seite auch das Risiko. Eine gängige Bedinung ist beispielsweise eine relativ kurze Laufzeit von zwei Jahren. Nach der Frist kann der Schuldner die Anleihe jederzeit kündigen und den Gläubiger auszahlen. Alternativ kann der Zins nach der Frist auch stufenweise steigen.




Zerobonds

Zerobonds sind Nullkupon-Anleihen. Bei dieser Art einer Anleihe gibt es für den Gläubiger keine laufende Zinszahlung. Dafür wird die Anleihe mit einem Abschlag verkaut. Die Rückzahlung erfolgt bei Fälligkeit erfolgt zu 100 Prozent des Nennwertes. Aus der Differenz des Preises bei An- und Verkauf resultiert der Gewinn des Anlegers.

Steuerliche Behandlung

Die Erträge aus Anleihen unterteilen sich in Zinsgewinne und Veräußerungsgewinne. Beide Gewinnarten fallen unter die 2009 eingeführte Abgeltungssteuer und werden mit 25 Prozent zuzuüglich Soli und ggf. Kirchensteuer besteuert. Lediglich für vor 2009 gekaufte Anteile gilt noch die damalige Spekulationsfrist von zwölf Monaten. Veräußerungsgewinne aus diesen Anleihen können noch steuerfrei vereinnahmt werden.