Die Kreditversicherung!


Kredite gehen immer mit langfristigen Zahlungsverpflichtungen einher. Eine Restschuldversicherung soll Kreditnehmer und deren Familienangehörige vor den negativen Konsequenzen etwaiger Zahlungsausfälle schützen. Derartige Kreditversicherungen werden im Zuge der jeweiligen Kreditvergabe unmittelbar, etwa bei Bankinstituten oder Autohäusern, abgeschlossen. Finanzexperten raten dazu explizit die Sinnhaftigkeit dieser Police zu hinterfragen, da diese in den meisten Fällen unnötig ist.

Derzeit werden in Deutschland Ratenkredite mit einem Gesamtvolumen von rund 160 Millionen Euro zurückgezahlt. Durchschnittlich schließen 1/5 der Kreditnehmer eine ergänzende Restschuldversicherung ab. So verfügen laut Angaben der Versicherungswirtschaft aktuell rund 3,5 Millionen deutsche Verbraucher über eine laufende Restschuldversicherung.

Versicherung für den Zahlungsausfall

Die Kreditnehmer wollen sich und ihre Angehörigen auf diesem Weg gegen Zahlungsschwierigkeiten im Falle von Tod oder Arbeitslosigkeit absichern. Restschuldversicherungen weisen Diskrepanzen hinsichtlich ihres Leistungsspektrums auf, die es zu beachten gilt.

Die Mehrzahl dieser Kreditversicherungen bieten Kunden drei Optionen an. Entsprechend der ersten Variante greift die Versicherung optional lediglich im Todesfall des Kreditnehmers. Alternativ tritt die Police ausschließlich im Todesfall des Versicherungsnehmers oder bei dessen Berufsunfähigkeit in Kraft. Gemäß der dritten Option sichert die Restschuldversicherung gegen Tod, Arbeitslosigkeit, Scheidung und Arbeitsunfähigkeit ab.

Die Restschutzversicherung ist von der jeweiligen Laufzeit des Darlehens abhängig. Allerdings weichen die Warte-, Karrenzzeiten und Leistungsauschlüsse der einzelnen Anbieter stark voneinander ab. Die einzelnen bzw. anbieterspezifischen Fristen und Ausschlussklauseln müssen eindringlich geprüft werden.

Die Wartezeit

Die sogenannte „ Wartezeit“ gibt das Zeitfenster zwischen Vertragsabschluss und dem unmittelbarem Einsetzen des Versicherungsschutzes wieder. Die Karrenzzeit umfasst das Intervall, das zwischen dem Auftritt des Versicherungsfalles und dem Beginn der Leistung liegt.

Im Falle einer unverschuldet einsetzenden Arbeitslosigkeit kann dieses Leistungsgefälle der einzelnen Anbieter zu paradoxen Situationen führen. Im Extremfall müssen Versicherte eine maximale Wartezeit von 3 Monaten sowie eine sich anschließende dreimonatige Karrenzzeit einplanen. Trotz Versicherungsschutz greift die Police in solchen Fällen erst nach 6 Monaten.

Die Leistungsdauer

Die Leistungsdauer ist im Regelfall stark begrenzt. Versicherte sind demnach lediglich bis zu einer Maximaldauer von durchschnittlich 12 bis 18 Monaten geschützt. Sämtliche Verträge enthalten zudem sowohl häufig spezifische Leistungsbegrenzungen als auch explizite Leistungsausschlüsse.

Individuelle Vorerkrankungen gelten oft als Ausschlusskriterien, die Versicherte von Leistungsbezügen gänzlich ausnehmen. Deshalb ist eine Arbeitsunfähigkeit, die auf eine Vorerkrankung zurückzuführen ist, möglicherweise nicht durch den Versicherungsschutz abgedeckt.

Vor der Unterzeichnung müssen die eingehende Prüfung des gesamten Vertrages und der damit verbunden Konditionen höchste Priorität besitzen.

Ist die Versicherung nötig?

Banken oder Autohäuser suggerieren Kunden oftmals, dass der Abschluss einer derartigen Kreditversicherung zwingend erforderlich sei. Zahlreiche Verbraucher fürchten daher fälschlicherweise, dass der Kredit ohne Restschuldversicherung gar nicht, oder nur zu schlechten Konditionen vergeben wird. Verbraucherschützer weisen eindringlich darauf hin, dass diese Praxis nicht zulässig ist. Leider bleibt dieses unzulässige Vorgehen der Kreditanbieter hierzulande bislang ohne rechtliche Konsequenzen.

Die Rentabilität der Kreditversicherung ist an das Kreditvolumen und die jeweilige Laufzeit gebunden. Je niedriger bzw. kürzer Darlehen und Vertragslaufzeit ausfallen, desto unrentabler ist die Versicherung einzuordnen. Finanzexperten klassifizieren derartige Versicherungen als weitestgehend unnütz. Lediglich in Kombination mit einer Baufinanzierung stufen Fachleute den Abschluss der Police in Form einer Risikolebensversicherung als sinnvoll ein. Im Zweifel sollte eine Verbraucherschutzzentrale hinsichtlich einer umfassenden Beratung kontaktiert werden.

Empirische Statistiken der Bundesregierung dokumentieren, dass der tatsächliche Versicherungsfall statistisch nur sehr selten eintritt.

Die meisten Versicherungen nutzlos

Die verkauften Zusatzpolicen erweisen sich in den meisten Fällen als nutzlos. Die Kreditversicherung wirkt stark kostentreibend. Die für die Versicherung anfallenden Gebühren werden nicht in den effektiven Jahreszins eingepreist. Daher realisieren viele Verbraucher nicht den tatsächlichen Anstieg des effektiven Zinssatzes. Gemäß Finanzberatern verdoppelt sich durchschnittlich der effektive Jahreszins aufgrund der Restschuldversicherung. In Einzelfällen viervierfacht sich gar der effektive Jahreszins. Sollte die Bank eine Restschuldversicherung als unbedingtes Kriterium zum Vertragsabschluss ansehen, ist die Versicherung unbedingt in den effektiven Jahreszins einzurechnen.

Bundestagsabgeordneten zu Folge entfallen rund 70 % der Kosten von Restschuldversicherungen auf die Provisionen der jeweiligen Berater. Oft werden für eine derartige Versicherung durchschnittlich 15 % der Kreditsumme veranschlagt. In Verbindung mit einer Kreditvergabe von 10000 Euro, würde umgehend eine Summe von 1000 Euro fällig. Die Versicherung kann im Regelfall bis zu 30 Tage nach Vertragsunterzeichnung widerrufen werden. Der individuelle Kreditvertrag bleibt von diesem Widerruf unangetastet.

Verbraucher, die eine derartige Police abgeschlossen haben und ihren Kredit vorzeitig tilgen wollen, sollten den Versicherungsvertrag zeitnah kündigen. So kann auf diesem Weg zumindest ein Teilbetrag der Versicherungsprämie zurückgeholt werden.

Kunden, die eine Auflösung ihrer Police anstreben, sollten ihren Versicherungsvertrag hinsichtlich eventueller Formfehler prüfen. Nach medialer Berichterstattung weist derzeit beispielsweise die Widerrufsklausel der Ratenschutzversicherung der Santander Bank einen formalen Fehler auf. Kunden, deren Vertrag die entsprechende Klausel enthält, können ihre Versicherung problemlos widerrufen.